Es wird heute als unmöglich betrachtet, jeden Bürger über jedes anfallende Problem zu befragen. Deswegen wählen die Bürger heute, in unseren Demokratien, ihre Vertreter. Diese gewählten Vertreter sollen :
Die repräsentative Demokratie ist ohne Zweifel ein grosser Fortschritt verglichen zu vorhergehenden Systemen. Es gibt kein anderes bestehendes System in dem der Bürger so oft die Möglichkeit hat , sich auszudrücken und an der Wahl einer Gesellschaftsordnung teilzunehmen. Jedoch bringt die repräsentative Demokratie auch zahlreiche Probleme mit sich, einige davon sind das Ergebnis ihrer eigenen Struktur
Genannt « das Demokratische Experiment » soll unser Projekt die Instrumente anbieten, die es erlauben, eine Form der « Direkten Demokratie » auf weiter Ebene auszuüben. In der Tat scheinen endlich alle Bedingungen zur Verfügung zu stehen, die es erlauben, alle Bürger zu allen sie betreffende Probleme der Gesellschaft zu befragen. Das Demokratische Experiment hat drei Hauptprinzipien als Grundlage :
Dem Projekt « Demokratisches Experiment » liegt eine client/server-Architektur über Internet zugrunde. Der « client » ist eine Software, die jedes Mitglied des Demokratischen Experiments besitzt und die es ihm erlaubt , eine Frage zur Abstimmung vorzulegen , Lösungen anzubieten und zu wählen. Der « server » ist ein Computer , der die Wahlantworten zentralisiert, zählt, und die Ergebnisse in der Datenbank lagert.
Die Wahlmethode ist die « Condorcet Methode », erfunden und ausgearbeitet von dem Philosophen und Mathematiker des 18. Jahrhunderts. Bei dieser Art Abstimmung ordnen die Wähler die vorgegebenen Antworten je nach Vorzug. Eine einfache mathematische Methode erlaubt es, die meistgewählten Antworten festzulegen.
Alle an dem Demokratischen Experiment teilnehmenden Personen können mittels der « client » software Fragen oder Probleme zur Wahl anbieten. Die Frage kann z.B. lauten :
Die Frage wird in den « server » eingegeben, der sie an alle Bürger des demokratischen Experiments weiterleitet.
Alle können der Antwortenreihe andere Antworten zusetzen. Wie in dem folgenden Schema gezeigt wird, sind nach und nach sieben Antworten dazugesetzt worden.
Alle in dem Demokratische Experiment eingeschriebenen Personen können jederzeit wählen. Da das Wahlsystem ständig geöfffnet ist, kann der Wähler seine gegebene Antwort ändern (diese neue Antwort ersetzt die vorige)
Bei der Condorcet-Wahl soll der Wähler das Antwortenangebot, je nach seinem Vorzug, ordnen. Nehmen wir an, 4 verschiedene Wähler haben dasselbe Antwortenangebot je nach Vorzug geordnet :
Es handelt sich um eine einfache mathematische Methode, die hier en wenig lang zu erklären wäre (klicken für eine genauere Beschreibung dieser Methode). Der wichtigste Aspekt der Condorcet-Methode ist, dass die Auswertung der Ergebnisse garantiert, dass die meistgewählte Antwort gegen jede andere Antwort gewinnt. So ist bei unserem Beispiel die Antwort « Die Steuern um 1 Punkt erhöhen » diejenige, die allen anderen vorangeht. Versuchen wir z.B. was die Gegenüberstellung « die Steuern um 1 Punkt erhöhen » gegen « 42 Jahre arbeiten » ergibt. Bei der Klassifikation der Antworten der 4 Bürger kommt die Antwort « die Steuern um 1 Punkt erhöhen » dreimal vor « 42 Jahre arbeiten » und einmal danach. Folglich liegt « die Steuern um 1 Punkt erhöhen » bei dem Duell gegenüber « 42 Jahre arbeiten » an erster Stelle. Man kann leicht prüfen (es braucht ein wenig Zeit aber mit einem Computer nur einen Augenblick), dass die Antwort « die Steuern um 1 Punkt erhöhen » jeder anderen möglichen Antwort gegenüber gewinnt. Man kann mit Hilfe des Computers auch prüfen, dass es die einzige Antwort in diesem Fall ist, alle anderen verlieren wenigsten ein Duell. Folglich gewinnt die Antwort « die Steuern um 1 Punkt erhöhen » diese Wahl bei der Condorcet-Methode.
Die Condorcet-Methode hat zwei starke Punkte. Erstens gibt sie ein genaues Bild der allgemeinen Meinung der Wähler. Ein Beispiel : bei den französischen Präsidenten-Wahlen 2002 hat der Kandidat Le Pen nach dem 1. Wahlgang an zweiter Position gelegen. Doch bei der Condorcet-Wahl hätten höchstwahrscheinlich 20% der Wähler Le Pen an die erste Stelle gesetzt und 80% an die letzte Stelle. Folglich hätte das Durchschnittsergebnis von Le Pen an der vierten oder fünften Stelle gelegen und das stellt den wirklichen Wunsch der französischen Wähler dar. Das ergibt sich , wenn man gleichzeitig zählt , was die Wähler wollen und was sie nicht wollen. Zweitens vermeidet die Condorcet-Methode, dass sich die Wahlstimmen verstreuen. In der Tat, wenn mehrere Antworten sehr nahe sind (wie « 41 Jahre arbeiten » oder « 42 Jahre arbeiten ») wird sie der Wähler wahrscheinlich in seiner Klassifikation zusammen gruppieren. Nehmen wir nochmal das Beispiel der Präsidentenwahlen 2002. Es ist völlig klar, dass die weite Verstreuung der linken Wahlstimmen dazu beitrug, dass der Kandidat Jospin beim 2. Wahlgang nicht mehr präsent war. Mit der Condorcet-Abstimmung hätten die linken Wähler eine Gruppe Jospin-Mamère-Taubira-Besancenot an die Spitze gestellt. Die Präsenz eines Kandidaten wie Besancenot hätte für Jospin keinen Verlust dargestellt.
Die gewinnende Antwort auf die Frage wird die öffentlich Position bei dem Demokratischen Experime:
Diese Stellungsnahme wird in die Bank der Stellungnahmen integriert (unten auf dem folgenden Schema), die die Datenbank aller Wahlergebnisse zu einem gewissen Zeitpunkt darstellt.
Die Datenbank der Stellungnahmen ist nach Themen aufgebaut, was das Nachschlagen erleichtert. So kann man sich über die Stellungnahme des demokratischen Experiments zu verschiedenen Themen informieren. Diese Datenbank steht allen zur Verfügung, Mitgliedern des Demokratischen Experimemnts oder nicht.
Wenn sich der Vorgang « Wahlabgabe - Zusätzliche Fragen - Wahlauswertung - Eingabe in die Datenbank » viele Male wiederholt, wird sich die Datenbank der Stellungnahmen des Demokratischen Experiments stark ausweiten und verändern.
Ist das demokratische Experimemnt und seine Datenbank eine Art von riesiger Meinungsumfrage ? Nein, denn:
Wenn die Datenbank der Stellungnahmen eine gewisse Grösse erreicht hat, haben wir vor, Kandidaten-Vertreter bei Wahlen vorzustellen (Stadt- Gemeinde- Land- und Nationalwahlen). Diese Kandidaten werden natürlich durch eine Wahl der Mitgliedern des Demokratischen Experiments ernannt. Einmal gewählt haben sie ein einziges Mandat :
Diese « Kandidaten-Vertreter machen keine herkömmliche Wahlkampagne, d.h . sie werden nicht der Menge gegenüber Reden halten wie : « ich habe Recht, ich weiss was gut für sie ist ; wenn sie für mich wählen wird alles bestens laufen ». Sie werden nur die Grundsätze des Demokratischen Experiments erklähren und die Internetadresse des Website geben.
Wer weiss ? Träumen wir ein wenig. Man kann sich vorstellen, dass während der Wachstumsphase die nicht konventionnelle Partei « das Demokratische Experiment » einige offiziell gewählte Mitglieder bekommt, die die Stellungnahmen der Datenbank durchsetzen. Sie sind die ‘Stimme’ der Mitglieder des Demokratischen Experiments, im wahrsten Sinne des Wortes. Dann kann eine Hauptphase zustandekommen , während dieser das System (Gemeinde, Region, Land) wirklich vom Demokratischen Experiment durch seine Vertreter geleitet wird. Das System (gesetzgebend, exekutiv, rechtlich) kann dann nach und nach das Demokratische Experiment in seine Institutionen integrieren. Niemand kann heute sagen, welche Form die letzte Phase haben wird.
Man kann hier bemerken, dass der Untertitel des Demokratischen Experiments « ein Projekt nicht-repräsentertiver Demokratie » sinnwidrig ist : es handelt sich im Gegenteil um eine « super-repräsentative » Demokratie, denn ihre Vertreter berufen sich nur auf die Datenbank der Stellungnahme aller Bürger.
In diesem Kapitel beschreiben wir einige typische Kennzeichen des Demokratischen Experiments : die demokratische Debatte, die Delegation der Wahlstimme, die Sicherheit, die Allseitigkeit, die bestehenden Systeme, die wichtigsten Vorwürfe, die man der Methode machen kann.
Das demokratische Experiment ersetzt weder die demokratische Debatte noch die Suche nach Informationen. Es ist insbesondere nicht ihre Aufgabe Informationen zu vermitteln , die es ermöglichen sich vor dem wählen eine Meinung zu bilden. Die Teilnehmer, die durch eine Wahl Stellung nehmen, müssen sich selbst die nötigen Informationen verschaffen, um sich eine Meinung zu bilden, wie es auch in dem aktuellen demokratischen System der Fall ist. Wir sehen nur vor, dass ein Mitglied, das eine Frage aufwirft, oder eine Antwort vorschlägt, mit einem Hypertext an Diskussionsforum oder Web-site der Argumentation, oder an technische Dokumentation weitergeleitet wird...
Sollte sich das Demokratische Experiment erweitern, wid die Zahl der Fragen, zu der der Wähler Stellung nehmen soll, zu gross. Darum ist ein Mechanismus der Delegation der Wahlstimme vorgesehen. Jedes Mitglied kann seine Stimme an ein anderes Mitglied delegieren, zu einer Frage oder zu einem Thema der Datenbank., und er kann diese Stimme jederzeit wieder zurücknehmen und selber wählen. Der Delegierende kann prüfen welche Wahl der Delegierte in seinem Namen getroffen hat. So kann ich z.B. alle anfallenden Fragen bezüglich der Todesstrafe (gegen die ich bin) meinem Freund Corentin übergeben, der ein echter Vertreter der Menschenrechte ist und gegen die Todesstrafe, wie ich. Sollte ich eines Tages bemerken, dass das Demokratische Experiment für die Todesstrafe ist, werde ich ohne Zweifel nachsehen , was Corentin in meinem Namen gewählt hat. Sollte ich feststellen, dass er nicht in meinem Sinne gewählt hat, werde ich ihm meine Delegation wieder entziehen.
Zahlreiche Elemente des Demokratischen Experiments müssen ganz sicher sein und aufs höchste versichert werden. Insbesondere muss man garantieren können :
Insgesamt muss die absolute Geheimhaltung der Interaktionen zwischen den verschiedenen Mitliedern und dem Demokratischen Experiment garantiert werden. Wir können hier nicht alle Verfahren aufzählen , die zu diesem Zweck müssen ausgearbeitet werden. Wir können hier nur sagen
Die Reichweite des Demokratischen Experiments ist weltweit. Das bedeutet einfach , dass alle eingeschriebenen Mitglieder zu jedem Thema wählen können. Und diese weltweite Verbreitung verlangt eine mehrsprachige Form (die Client Softwaren des Demokratischen Experiments müssen in mehreren Sprachen funktionieren). Diese Art Technologie gibt es bei den freien Softwaren schon (Beispiel : Verhandlung bei Apache und Localization files)
Es wäre schwierig alle schon bestehende Strukturen direkter Demokratie in ihren verschiedenen Formen aufzuzählen. Was die Wahl mit der Methode Condorcet betrifft, findet man schon verschiedene Institutionen die sie benutzt, z.B. das Unternehmen « Easter Egg », das die freie software genannt ‘Glasnost’ benutzt bei allen kollektiven Entscheidungen im Unternehmen. Ein anderes Beispiel ist die Wahl des Projektleiters der freien software Debian GNU/Linux, die mittels ‘Condorcet’ durchgeführt wird.
Man kann dem Demokratischen Experiment seinen Elitismus vorwerfen, da eine Verbindung zu Internet nötig ist. Das ist ein echtes Problem, und wir sind uns dessen völlig bewusst. Ein Projekt ; das dahin führen soll, dass alle Bürger ûber Entscheidungsmacht verfûgen, zeigt uns ganz klar, dass viele Menschen nicht über Internet verfügen und auch nicht über Elektricität , Trinkwasser , Sicherheit .Dennoch sollte es nicht davon abhalten mit dem Demokratischen Experiment zu beginnen, weil es sich um ein Pionierprojekt handelt. Wenn sich die Methode verallgemeinert, könnte man an andere Systeme, wie z.B. Bildschirmtext oder öffentliche Internetposten denken. Was passiert, wenn die Mehrheit Unrecht hat ? Eine der Antworten ist, entweder ist man Demokrat oder man ist es nicht. Anderseits kann man das Problem auch so sehen, dass sollte die Mehrheit Unrecht haben und eine schlechte Entscheidung treffen, muss sie die Folgen tragen und danach ihre Meinung ändern. Dieser natürliche Mechanismus der Regulation soll den aktuellen (schlechten) Regulationsmechanismus ersetzen, bei dem die vom Volk gewählten Vertreter « gut » handeln, damit sie wiedergewählt werden. Natürlich ist die Wirklichkeit meist gegensätziger , und man muss wahrscheinlich in Betracht ziehen, dass nicht immer die, die eine schlechte Entscheidung treffen auch deren Folgen tragen. Da sind wir bei einem der Zentralideen des Demokratischen Experiments : unser Pojekt benötigt, dass man den Menschen als Erwachsenen betrachtet, der dazu imstande ist, die meiste Zeit vernünftige Entscheidungen zu treffen und bei dem das Intesesse der Allgemeinheit nicht völlig abwesend ist. Diese Hypothese ist sicherlich ein wenig fragwürdig, aber das Gegenteil würde dazu führen, die Idee einer direkten Demokratie aufzugeben, und das bestehende elitistische Systeme für immer zu akzeptieren. Das elitistische System stellt die Hypothese, dass es besser ist für die Gesellschaft von einer Minderheit geführt zu werden, die die Kapazität besitzt, die guten Entscheidungen im Sinne der Allgemeinheit zu treffen. Sollte das Demokratische Experiment scheitern, könnte man daraus die Folge ziehen , dass das elitistische System das beste wäre.
Ein anderes mögliches Problem ist die Reaktivität. Was passiert, wenn eine ganz schnelle Entscheidung getroffen werden muss ? Ist das Abwarten der Antworten der Teilnehmenr am Demokratischen Experiment nicht zu langsam ? Darauf kann man antworten , dass die Äusserung zu einer sehr brennenden Frage sehr schnell sein kann. . Ausserdem kann das Demokratische Experiment ein schnell reaktives Verfahren durch eine Gruppe von Personen schaffen, die Entscheidungen trifft, wenn es technisch nicht möglich ist, das Condorcet System zu benutzen. Um es anders auszudrücken, das Demokratische Experiment muss selbst seine Reichweite festlegen. Können in der Datenbank nicht gegensätzliche Stellungnahmen auftreten ? Die Antwort ist natürlich ja, und es ist sogar wünchenswert , dass diese Situation auftritt. In der Tat soll die Datenbank die Stellungnahme einer Gruppe von Personen darstellen und es ist normal , dass so eine Gruppe innere Gegensätze zeigt. Wenn das Demokratische Experiment gut die Meinung einer Gruppe fasst, muss es auch die Gegensätze zeigen. Wie oben schon erwähnt ist es wichtig , dass zu einem Zeitpunkt diese Gegensätze der Stellungnahme in der Datenbank von einem Mitglied bemerkt wird und das Problem durch eine Wahl gelöst werden kann. Die meisten der im Demokratischen Experiment vorkommenden Probleme können durch des Demokratische Experiment selbst gelöst werden. Schlisslich wird dem Demokratischen Experiment oft vorgeworfen « Alle Leute haben also das Recht, ihre Meinung zu allen anfallenden Problemen zu geben ? » Ja, selbstverständlich. !
Der Anfang unserer Überlegung über das Demokratische Experiment hat im Herbst 2002 stattgefunden. Seitdem ist das Konzept gereift, in Gruppen diskutiert und debattiert worden. Wir haben Freiwillige zusammengebracht um eine erste einfache Ausgabe einer Prototyp Software zu entwickeln, dazu gehört :
Wenn die erste einfache Ausgabe dieser Softwaren zur Verfügung steht, wird sie durch Freiwillige getestet. Das erste Ziel dieser Phase ist, das globale Konzept des Demokratischen Experiments für gültig zu erklären (zu sehen , ob es ‘funktioniert’) und dabei ist es besser den Versuch bei einer kleineren Struktur vorzunehmen (Verbände, Vereine....). Das zweite Ziel ist, diese einfache Software in eine robuste Ausgabe zu entwickeln, die ihre Sicherheit und Verlässlichkeit garantiert, um eine zweite Phase in Gang zu setzen. Die besteht darin, das Demokratische Experiment zu veröffentlichen und so schnell wie möglich Vertreter (Kandidaten) bei Wahlen vorzustellen.
Das Ziel des Demokratischen Experiments ist, Instrumente zu entwickeln die erlauben , dass jeder Bürger ohne Schwierigkeiten seine Meinung äussern kann, diese Meinung in Entscheidungen umwandelt und diese Entscheidungen anwendet. Das Demokratische Experiment ist, wie sein Name sagt, ein Experiment. Wir möchten dieses Konzept der Demokratie prüfen, indem wir das Prinzip anwenden : « die Staatsgewalt geht vom Volk aus ». Es kann sein, dass das nicht funktioniert und das die Schlussfolgerung ist « es ist vorzuziehen, dass die Gesellschaft von einer Elite geführt wird ». Wir haben keine vorgefasste Meinung zu diesem Thema. Eines der Ziele dieses Experiments ist festzustellen, in wieweit die Bürger den Wunsch aussprechen, auf sie betreffende Entscheidungen einen Druck auszuüben.